Tuesday, September 25

'(...) und du musst garnichts mehr tun, du hast an mir aufgegeben und das ist okay, weil ich's selbst auch schon getan hab. also lassen wir das einfach. du bist glücklich, so einigermaßen zumindest und dabei soll es bleiben.'

'es ist traurig das von dir zuhören, nevenka. du weißt, wie wichtig mir ist, dass es dir gut geht, aber sag mir bitte, was muss passieren, dass es  dir besser geht?'

'zu viel. und aufgeben ist leichter, als kämpfen.'

'was zur hölle heißt aufgeben?'

'was das heißt? sich nicht mehr darum zu bemühen, es besser zu machen, weil's nicht besser wird.'

'das kannst du nicht wissen. ich konnte es auch nicht. aber soll ich dir was sagen? versuch mal deine Probleme Zuhause zu lassen, wenn du in die Schule kommst. denn da hast du die Möglichkeit so viele Leute kennenzulernen. nur wenn du schlecht drauf bist und dementsprechend auch manchmal reagierst (ich weiß wie das ist) wirkt es manchmal abschreckend. ich weiß, dass du auch anders sein kannst. und ich weiß wie sehr es belastet, aber ich habe inzwischen auch gelernt, dass ich mich von Problemen zumindestens soweit distanzieren muss, dass es mir nicht anzumerken ist. weil es einem einfach leichter fällt. Verstehst du was ich meine?'

ich schlage fast auf mein handy ein.

'ich kann meine probleme verdammt nochmal nicht zuhause lassen. ich wache morgens auf und BIN motiviert, das musst du mir glauben und bin auch nicht schlecht drauf, wenn ich in die schule komme, aber meine gedanken foltern mich einfach. und dann endet der tag wieder damit, dass ich heule. es ist in mir, verdammt. ich kann es nicht ablegen. ich habe es so oft versucht, aber mein kopf ist voll und ich komme nicht klar. und ich habe angst vor mir, weil das alles keine phase ist. ich schlitze mir immernoch die haut auf, saß neulich allein draußen und hab kippen geraucht, etwas, was ich eigentlich NIE machen wollte, weil es so unnötig ist, aber irgendwo muss der hass hin. und ich bin es leid, ein lächeln aufzusetzen, wenn ich jeden beschissenen tag darüber nachdenke, wie ich mich umbringen könnte. ich bin das leben einfach leid und ja, es schreckt die leute ab, doch ich kann einfach nicht mehr so tun als ginge es mir gut.'

'ok, dann geh und such dir professionelle Hilfe. wenn du das nicht tust, werde ich es machen. auch wenn mein weg direkt zum jugendamt führt. es ist das einzige was dir jetzt helfen kann. und nevenka, es gibt Möglichkeiten. und sich das leben nehmen ist keine. keine, die man wirklich in erwägung ziehen sollte.'

'was soll mir das jugendamt helfen, wenn ich nicht auf mich klarkomme? das problem liegt bei mir, es lag schon immer bei mir.'

'ja eben. aber kannst du mir das bitte versprechen? mit der professionellen Hilfe? ich möchte dass du dahin gehst und denen ALLES erzählst. du wirst ernst genommen. und wenn es für's erste nur unser vertrauenslehrer ist.'

nein, kann ich nicht. ich kann nichtmal versprechen, dass ich morgen früh aufwache.

du bist ein krieger, der nicht kämpfen mag,
doch der kampf erwartet dich an jedem neuen tag.

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