Friday, June 15

wir sind auf der zeugnisvergabe meiner schwester. abi, dies das. es zieht sich ewig, viele reden, ehrungen. "als wir 1942 unser abi gemacht haben, 2 jahre früher als normal wegen des krieges, wurden wir sofort an die front geschickt. 1945 kam es dann zum frieden. sorgt dafür, dass es dabei bleibt." bewegend. danach sekt, glückwünsche, noch mehr sekt, noch mehr glückwünsche. meine schwester hat das beste abi der schule. alle stehen schließlich im foyer. alle gratulieren ihr, gratulieren meinen eltern, meine schwester bekommt 2.000 euro geschenkt von einem in new york unterrichtenden professor für germanistik. ich stehe doof rum, bin underdressed, bin ungeschminkt. rede mit ein paar leuten, die ich kenne. marcel will morgen abend auf dem abi ball mit mir tanzen. fühle mich furchtbar. alle sind unglaublich begeistert. "du musst wohl die schwester sein?", lächeln und nicken. "wir sind so stolz auf saskia." gefühlte 4575445 mal. auf mich ist nie jemand stolz, verdammt nochmal nie. ich halte die tränen zurück und fange an, mit marcel aufzuräumen und zeug zu irgendwelche autos zu tragen. nie ist jemand stolz auf mich. ich werde nie gut oder gut genug sein. mein mathelehrer fragt mich heute bei dir notenbesprechung, wie es mir geht. "geht.", antworte ich. er nickt verständnisvoll. er sagt, er wird mit meinen eltern reden, um ihnen klar zu machen, dass das problem in mathe nicht grundsätzlich an mir liegt, nicht an faulheit oder sonstiges, sondern, dass ich mathe einfach nicht beherrsche. dann erzählt er mir, dass er früher, im gegensatz zu mir, grottig in sprachen war und dass man nicht überall gut sein kann. doch, kann man. doch ich werd's nie sein.

1 comment:

  1. hey, scheiß auf schulfächer und noten ... die spiegeln eh nicht die wahre intelligenz einer person wider! du bist bestimmt in vielen anderen dingen gut!!

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